Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden dürfen. Lesen Sie unsere Datenschutzbestimmungen.

City of Birmingham Symphony Orchestra
© Upstream Photography

Samstag, 25. mai 2019

City of Birmingham Symphony Orchestra

Mirga Gražinytė-Tyla, Dirigentin
Yuja Wang, Klavier

Die eine, Dirigentin Mirga Gražinytė, hat ihrem Namen irgendwann ein -Tyla angehängt, das litauische Wort für Stille. Die andere, Pianistin Yuja Wang, überzeugt durch Lebendigkeit, Expressivität und Furchtlosigkeit – kein Widerspruch. Auf der Bühne fügt sich alles zusammen. Denn was die beiden eint, ist das unbedingte Eintauchen in Musik, die kompromisslose Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Werk und die Freude daran, Musik als Grundbedingung des Lebens zu begreifen. Das liegt vielleicht daran, dass beide sich dem Musizieren ganz unbefangen annähern konnten. Als kleines Kind habe sie immer viel gesungen, erzählt die Dirigentin. »Ich habe mich so viel im Inneren der Musik aufgehalten, dass es sich ganz natürlich angefühlt hat.« Mit elf Jahren antwortete sie den Eltern, die sie in Richtung eines »sicheren« Berufs zu lenken versuchten: »Aber ich kann mir nur Musik vorstellen.« 

Bei Yuja Wang klingt die Geschichte so: »Das Klavier stand einfach da und ich begann es auszuprobieren wie ein großes Spielzeug. Musik begann mir zu gefallen und das Klavier scheint alle Instrumente im Orchester nachahmen zu können. Ich hatte großes Glück, denn meine Eltern hatten keine Erwartungen an mich. Das ist, glaube ich, der Grund dafür, dass ich Musik immer als etwas empfunden habe, was Spaß macht, und nicht als etwas, was ich tun musste.«

Ihren Ruf als junge Stars, ihre unvergleichlichen Karrieren verdanken sie dennoch ihrem herausragenden Talent und Können. Mirga Gražinytė-Tyla kam über die Chorleitung zum Dirigieren und errang 2012 den Salzburg Festival Young Conductors Award. 2016 – nach Engagements am Salzburger Landestheater und beim L. A. Philharmonic – wurde sie mit erst 29 Jahren Dirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra und damit Nachfolgerin von Simon Rattle, Sakari Oramo und Andris Nelsons. In nur zwei kurzen Gastdirigaten hatte sie das Orchester für sich gewinnen können, umgekehrt schätzt sie »die Offenheit, Freiheit, das Selbstbewusstsein und den demokratischen Umgang« des Orchesters, das zu den führenden Klangkörpern Europas gehört.

Mirga Gražinytė-Tyla
Mirga Gražinytė-Tyla © Frans Jansen
Yuja Wang
Yuja Wang © Norbert Kniat

Yuja Wang wurde lange als Wunderkind gehandelt und gilt heute als Pianistin auf der Höhe ihres Könnens. Die 31-Jährige besticht durch virtuose Technik, Leichtigkeit, Charisma und Bühnenpräsenz. In der aktuellen Saison geht sie zuerst mit den Berliner, dann mit den Münchner Philharmonikern auf Tour, tritt mit den Wiener Phil - harmonikern in Versailles und beim Sommernachtskonzert in Schloss Schönbrunn auf und spielt Beethovens erstes Klavierkonzert mit dem Boston Symphony Orchestra.

Dass sie keine Scheu vor den viel gespielten und viel geliebten Werken des Standardrepertoires hat, zeigt sie mit der Wahl von Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54, geradezu der Inbegriff romantischen Musikschaffens. Schon Clara Schumann sah bei einer Probe des ersten Teils voraus, dass das Werk ungeachtet seiner langwierigen und komplexen Entstehungsgeschichte »den schönsten Genuß dem Zuhörer bereiten« werde. »Das Clavier ist auf das feinste mit dem Orchester verwebt, man kann sich das Eine nicht denken ohne das Andere.«

Mit Brahms’ Symphonie Nr. 2 und György Ligetis Concert Românesc begeben sich Mirga Gražinytė-Tyla und das City of Birmingham Symphony Orchestra musikalisch auf eine Reise. Während Ligeti 1951 (letztlich vergeblich) versuchte, durch die Einbindung der von ihm sehr geschätzten rumänischen Volksmusik dem Zwang zum »Sozialistischen Realismus« zu entgehen, zeugt Brahms’ Symphonie Nr. 2 von reiner Freude. Beflügelt von seinem ersten Sommeraufenthalt in Pörtschach, ging ihm das Komponieren leicht von der Hand. »Der Wörthersee ist ein jungfräulicher Boden«, schwärmte er, »da fliegen die Melodien, daß man sich hüten muß, keine zu treten!«