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„SANKALPA“ – KRISTALLLICHTSPIELE
SHEKHAR KAPUR / DAVID ADJAYE
Eine Interpretation des Kurzfilms „Passage“
Swarovski Kristallwelten Wattens
In der ab 19. Juni 2009 in den Swarovski Kristallwelten gezeigten Lichtspiel-Installation mit dem Titel „Sankalpa“ von Shekhar Kapur und David Adjaye verschmelzen zwei Kunstformen miteinander: Film und Architektur. Gemeinsam begeben sich der Filmemacher und der Architekt auf die Suche nach einem neuen Hybridformat, das übliche Grenzen, in denen Film betrachtet und Architektur erfahren wird, verrückt. Kapurs filmische „Passage“ durchdringt Adjayes Kaleidoskopraum und lädt Besucher zum Erkunden und Erleben außergewöhnlicher Architektur und vielfältiger Bedeutungsschichten ein. Shekhar Kapur, seit seinem mehrfach Oscar nominierten Welterfolg „Elizabeth“ (1998) - mit der Hollywood-Schauspielerin Cate Blanchett in der Hauptrolle - einer der international erfolgreichsten Regisseure und David Adjaye, einer der weltweit renommiertesten Architekten der Gegenwart, gestalten für die Kristallwelten erstmals gemeinsam einen filmischen Erlebnisraum. Sie beantworten die Fragen: Wie könnte Kino in Zukunft aussehen? Was geschieht, wenn Filme nicht mehr nur betrachtet werden, sondern der Zuschauer in das Geschehen einbezogen wird? In der Installation „Sankalpa“ geraten nicht nur die Bilder in Bewegung, sondern auch die Besucher: Man folgt in einem exklusiv für die Kristallwelten geschaffenen Kunstraum dem Verlauf des filmischen Geschehens und beginnt, eigene Geschichten im Kopf zu entwerfen.
Der Titel „Sankalpa“ ist dem indischen Yoga-Denken entnommen und bedeutet „Wunsch“, „Wille“ und „Vorstellung“. Die Installation macht den abstrakten Begriff als räumliche Kristallisation sinnlich erfahrbar: Kapurs vielschichtiger Film „Passage“ wird durch Adjayes kristalline Architektur projiziert, gebrochen und in seinen unendlichen Facetten und Wunschbildern erlebbar. In „Sankalpa“ wird die mystische Verbindung
zwischen Film und Kristall deutlich: Die Faszination des Kristalls als „Lichtspiel“, das immer wieder neue Aspekte und Perspektiven zum Scheinen bringt, ohne endgültig erklärbar zu sein, wird mit Film als zeitgenössische Lichtkunst neu interpretiert. Mit „Sankalpa“ betritt man eine Bild und Raum gewordene geistige Kristallisation: Die beiden Künstler laden ein, in ihre filmische „Kristallwelt“ einzutauchen und der eigenen Fantasie, dem eigenen „Sankalpa“ zu folgen.
David Adjaye, der erst nach seinem „Umweg“ über ein Kunststudium zur Architektur kam und mit zahlreichen Stars der Kunstwelt wie Olafur Eliasson oder dem Turner Preisträger Chris Ofili gemeinsam Projekte realisierte, beschreibt das Erlebnis, das den Besucher in „Sankalpa“ erwartet: „Eine geheimnisvolle und hypnotische Weise des Eintauchens in Shekhar Kapurs Film.“
Kapurs Film „Passage“ entzieht sich der herkömmlichen Rezeption: Es wird nicht eine lineare Geschichte erzählt, vielmehr sind atmosphärisch und emotional aufgeladene Szenen so aneinander gefügt, dass die Frage ihrer „richtigen“ zeitlichen Ordnung aufgeworfen wird. „In der umfassenden Erfahrung, die ich für Sie künstlerisch erschaffe, lade ich Sie, jeden einzelnen Besucher, dazu ein, zu entscheiden, was es für Sie bedeutet“ formuliert Shekhar Kapur sein kreatives Prinzip.
Dementsprechend entschlüsselt sich die in „Passage“ erzählte Geschichte tatsächlich für jeden anders: Die Hollywood-Schauspielerinnen Julia Stiles („The Bourne Identity“) und Haley Bennett („Mitten ins Herz“ mit Hugh Grant) sowie die britische Schauspielerin und Supermodel Lily Cole finden sich in mysteriösem Ambiente wieder, die genauen Zusammenhänge bleiben unausgesprochen. Dabei gibt der Film aber nicht nur zu sehen und zu denken, sondern vor allem auch zu hören: Der vom Oscar-Gewinner AR Rahman („Slumdog Millionaire“) komponierte Soundtrack spielt mit Motiven aus verschiedenen Musikstilen.
Andreas Braun ist über das außergewöhnliche künstlerische Gemeinschaftsprojekt begeistert: „Als Gastgeber für dieses Kristalllichtspiel freue ich mich, dass die
Kristallwelten in Wattens mit dem Lichtkunstprojekt „Sankalpa“ einen kleinen Beitrag zur innovativen Verjüngung der phantastischen Wahrnehmungswelt Kino leisten dürfen.“
Grenzüberschreitende Experimente haben in den Kristallwelten bereits Tradition: Nach Harald Szeemanns „Verzauberung auf Zeit“ mit Ingeborg Lüschers Interpretation des „Bernsteinzimmers“ (2004 bis 2007) und dem Nachbau von Alexander Skrijabins musikalischer „Prometheuskuppel“ (2004 bis 2007) und kürzlich Hans Magnus Enzensbergers „WortSpielZeug“ (2008) zum Angreifen, geht es in „Sankalpa“ auf neue Weise darum, Kristall als künstlerisches Medium für begehbare Gesamtkunstwerke immer neu zu interpretieren und für den Besucher überraschend sinnlich erfahrbar zu machen.


